Es gibt dieser Tage so viele Artikel über Home Office in Zeiten von Corona. Alle erklären dir, was jetzt zu beachten ist und welche Regeln du am besten befolgen solltest, um die Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen. Dieser Artikel tut das nicht. Dieser Artikel soll dir die Zeit verkürzen und die Zeit im Home Office etwas angenehmer gestalten. Viele meiner Leser wissen, dass ich ein Faible für gute Musik habe und eine etwas größere Plattensammlung besitze. Daher habe ich eine Auswahl von acht Alben getroffen, die deine Playlist ergänzen und deine Stimmung im Home Office aufhellen sollen. Sit back, relax & enjoy!

1. Wu-Tang Clan – Enter The Wu-Tang (36 Chambers)

© BMG Music

Dreckiger als manches Mitarbeiterklo, rauher als der Ton in vielen Büros und energiegeladener als jede Tarifverhandlung – herzlich willkommen in den 36 Kammern des Wu-Tang Clans. Das New Yorker Rap-Ensemble ist und bleibt eine Supergroup aus neun hochtalentierten MC’s, die weit weg von der Mittelschicht und doch bahnbrechend gestartet sind. Sie gehörten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums vor einem Vierteljahundert zu den Vergessenen der Vorzeige-Metropole, die sie von ihrer schlechtesten Seite erlebt haben. Und genau dieses Gefühl transportiert die Platte in einer authentischen wie zeitlosen Art und hat mit der Zeit kein bisschen an Kraft verloren. Songs wie „C.R.E.A.M.“, „Method Man“, „Protect Ya Neck“ und „Da Mystery Of Chessboxing“ sind unantastbare Meilensteine der Rap-Geschichte. Das Album ist heute außerdem Blaupause für vieles, was die viel zu häufig belächelte Jugendkultur Hip-Hop hergebracht hat.

2. Herbert Grönemeyer – 4630 Bochum

© EMI

„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt“. Ein wunderbares Stück Musikgeschichte aus einer Zeit in der es noch vierstellige Postleitzahlen gab. Mit der Ode an seine Heimat hat er nicht nur das Ruhrgebiet seit den 1980ern geprägt. Mit dem selbstironischen „Männer“ präsentiert Herbert Grönemeyer außerdem eine herausragende Analyse, warum Männer alles können und liefert bereits 1984 die lupenreine Legitimation für rein männliche Führungsetagen in Unternehmen und Allmale-Panels auf Konferenzen. 😉 4630 Bochum ist vermutlich das beste Grönemeyer-Album aller Zeiten, nicht nur nur weil ganze Generationen Hits wie dem schnulzigen „Flugzeuge im Bauch“ oder dem stimmungsvollen „Alkohol“ im Schlaf mitsingen können, sondern weil es einfach ein zeitloses Album ist.

3. Norah Jones – Come Away With Me

© Blue Note Records

Eine Stimme, die selbst die unruhigsten Persönlichkeiten oder D-Typen zu verlangsamtem Puls verhilft und jedem, der ihr lauscht, in eine Welt eintauchen lässt, die unsere VUCA-Welt auch nach Corona noch entschleunigt. Die Rede ist von Norah Jones und ihrem Debüt-Album „Come Away With Me“, dass auf dem legendären Jazz-Label Blue Note veröffentlicht wurde und unzählige Legenden und Ausnahmekünstler wie John Coltrane, Miles Davis und Thelonious Monk im Repertoire hat. Doch wer hier eine klassische Jazz-Platte vermutet, wird bitter enttäuscht. „Come Away With Me” ist eher eine Mischung aus Eric Clapton und gefühlvollen Country-Blues-Balladen.

4. Twit One – Stepping Stones

© Melting Pot Music

Hip-Hop Beats, die nicht nach Hip-Hop klingen. Mehr nach einer Mittagspause am sommerlichen Rheinufer, einem Feierabend-Bierchen mit den Lieblingskollegen oder einem Familientreffen von Curtis Mayfield, Roy Ayers und Gil Scott-Heron. Grundsätzlich sind auf dieser Instrumental-Platte alle Komponenten klassischer Hip-Hop-Beats enthalten: Kick, Snare, Hi-Hat, Drumbreaks & Samples, die mittels MPC zusammengesetzt wurden. Hinzu kommt eine einzigartige Auswahl von Soul- und Jazz-Samples sowie Vocal-Schnipseln, die den Hörer neugierig und Lust auf mehr machen. Man merkt Twit One bei jedem einzelnen der kurzweiligen Stücke nicht nur seine Liebe zu den Beats an, sondern auch sein unglaubliches Talent unterschiedliche Epochen grooviger Musikgeschichte in ein positives und beschwingtes Gesamtkunstwerk zusammenzusetzen. Ein echter Profi, der sein Handwerk versteht. Wer bei seiner nächsten Dienstreise mal in Köln ist, sollte unbedingt im legendären Groove Attack Record Store vorbeischauen. Dort kann man die Platte direkt bei Twit One erwerben und sich währenddessen eine Vielzahl von Tipps für weitere „Stepping Stones“ abholen.

5. Stieber Twins – Fenster zum Hof

© MZEE Records

Die Stieber Twins haben Hip-Hop im sechsundneunzigsten Semester studiert und sind so etwas wie die Gralshüter positiver Werten wie Authentizität, Innovation, Kreativität, Wettbewerb und Respekt im deutschsprachigen Hip-Hop. Sie stemmen sich mit ihrer ehrlichen und gradlinigen Art gegen den Verkauf von falschen Images und gehören gleichzeitig zu den meistzitierten Künstlern ihres Genres. Vieles von dem, was sie sagen, lässt sich wunderbar vom Musikmarkt auf den Arbeitgebermarkt übertragen. Denn wie heißt es so schön in ihrem Song Malaria: „Evergreens sind immer da, der Rest Drosophila.“ Mit „Fenster zum Hof“ haben sie einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der vor allem inhaltlich kein bisschen an Wert verloren hat.

6. Trettmann – #DIY

Trettmann ist das beste Beispiel dafür, dass auch Spätstarter oder Quereinsteiger maximalen Erfolg haben können. Mehr als zehn Jahre hat der in Karl-Marx-Stadt aufgewachsene Tretti in der deutschen Reggae- und Dancehall-Szene als Ronny Trettmann mehr oder weniger erfolglos verbracht. Doch dann legt er den Schalter um und veröffentlicht 2017 als damals 44-jähriger gemeinsam mit dem Produzenten-Team KitschKrieg das Album #DIY, das sich 75 Wochen in den deutschen Album-Charts hält und vor allem bei der Generation Z Punkten kann.

7. Joy Denalne – Mamani

© Four Music

Authentizität, Kultur, Bindung, Trennung, Diskriminierung, Sexismus – das sind nicht nur typische Themen in einer Personalabteilung sondern auch die Inhalte auf Joy Denalane’s Debütalbum Mamani. Die gebürtige Berlinerin mit südafrikanischen Wurzeln repräsentiert die Zerrissenheit einer Afro-Deutschen auf der Suche nach ihrer Identität. Untermalt wird diese Suche von fantastisch klingenden E-Piano und Bläser-Sounds, die das Publikum in eine Ethno-Atmosphäre versetzen. Ihre Lyrics, die oft private Momente widerspiegeln, beschäftigen sich nicht mit kitschig wirkenden Beziehungsdramen, sondern vielmehr mit intellektuellen und sozialkritischen Themen wie Emanzipation und Diskriminierung.

8. Alexander Marcus – Electrolore

© Kontor Records

Die Bude sieht aus wie ein Schlachtfeld, obwohl du seit Wochen zu Hause hockst. Die Haare werden immer länger, weil Frisöre nach wie vor geschlossen sind. Die Familie nervt, weil ihr euch nicht aus dem Weg gehen könnt. Du stehst nach Wochen der Quarantäne im Home Office kurz vor dem Lagerkoller und bist jetzt erst recht urlaubsreif? Dann mach’ dir entweder ein Hawaii Toast 🥪🍖🍍🧀 oder komm mit mir und Alexander Marcus nach Papaya. 🏝🥥🍌

Was meinst du? Welches Album darf in eurem Home Office nicht fehlen? Schreib‘ es direkt in die Kommentare!

6 thoughts

  1. Kannst Du haben (in belieber Reihenfolge), auch wenn 10 einen übel zum einschränken zwingt. Wahrschein lich würde die Liste in ein paar Tagen anders aussehen. Es gibt einfach zu viel Gutes. Also jetzt einmal quer durch den Garten…

    Here we go:
    – ABBA – Gold: komplett familientauglich gegen Lagerkoller, perfekt arrangiert.
    – US3 – Hand on the torch: entspannt, groovig
    – Marcus Miller – Tutu revisited: Keine leicht Kost aber grossartige Musik
    – Shemekia Copeland – Turn the heat up: Blues mit Beat.
    – Amy Winehouse – Frank/Back to Black: Was soll man sagen? Amy.
    – Frank Sinatra – The Main Event: Ol´Blue Eyes im Madison Square Garden auf einem der vielen Höhepunkte der Karriere. I wish I was there.
    – Johnny Cash – At Folsom Prison: Kantig, Kultig, Cash.
    – The Rolling Stones – Complete Collection 1971-2013: Unfair dickes Paket, aber da ist halt alles drin. Freue mich schon auf die Complete Collection 1971 – 2052. It always starts me up…
    – B.B. King (and Eric Clapton) – Riding with the King. Allein der Titelsong reicht schon. Mein favorite cruise song.
    – Wiener Philharmoniker & Karl Böhm – Mozart Horn Konzerte: Das ist entspannend. Sowas von.

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Marcus,

      besten Dank für deine Ergänzung. Wie man unschwer erkennen kann, ist Rock nicht ganz mein Metier. Werde in den nächsten tagen aber auf jeden Fall in alle Alben einmal reinhören.

      Beste Grüße
      Marcel

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  2. Hahaha, Marcel, man muss offen sein für Neues und Rock ist in der Liste nur die Stones Box. Ansonsten geht es von Jazz, Blues, Pop, Easy Listening, Country, Country, Pop zu Klassik…. wollte die Diversity hier mal etwas hoch bringen 😉

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  3. Schöne Auswahl.

    Einige meiner Favoriten, die man immer wieder hören kann:
    – Tua – Tua
    – Masta Ace – A long hot summer
    – Sade – Soldier of Love
    – Devin the Dude – Acoustic Levitation
    – MOR – NLP

    Gefällt 1 Person

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