Am 12. und 13. Oktober fand im Javits Center in New York City erstmals die Indeed FutureWorks statt. An der Konferenz haben nicht nur über 1.000 globale Talent Acquisition Leader aus allen möglichen Ländern vor Ort teilgenommen, sondern es haben sich zusätzlich noch über 50.000 weitere Teilnehmer:innen online zugeschaltet, um das Programm mit einem einzigartigen Mix aus Top-Expert:innen und berühmten Persönlichkeiten zu verfolgen.

Ich hatte die Möglichkeit, live vor Ort dabei zu sein und mitzudiskutieren, wie sich das Thema Future of Work nicht nur in Deutschland sondern eben auch global in den nächsten Jahren vermutlich entwickeln wird.

Arbeitskräftemangel bereits bei der Anreise spürbar

Kurze Anekdote vorab: Da es in Folge der Corona-Pandemie nur noch kaum Direktflüge von Düsseldorf nach New York gibt, bin ich auf dem Hinweg über London geflogen und konnte den aktuellen Arbeitskräftemangel direkt hautnah miterleben. Trotz ausreichender Transferzeit (zwei Stunden) habe ich das Gate erst 30 Minuten nach der eigentlichen Abflugzeit erreicht, weil der Sicherheitsbereich am Flughafen London-Heathrow so dünn besetzt war, dass die Massen nicht einmal ansatzweise abgewickelt werden konnten. Es fehlte schlichtweg an Personal. Das ist natürlich kein London-spezifisches Problem, sondern ein Thema, das wir alle in den letzten Monaten an vielen Flughäfen dieser Welt beobachten konnten.

Die Folge ist eine aufgeheizte Stimmung bei Passagieren, weil Menschen reihenweise ihre Flüge verpassen. Das führt wiederum dazu, dass bei Mitarbeiter:innen wegen des hohen Drucks eine massive Unzufriedenheit herrscht und der Ton mitunter sehr rau wird. Vermutlich müssen wir uns für die nächste Zeit an diese Entwicklung gewöhnen, da eine schnelle Besserung kaum in Sicht ist. Eine Randnotiz: Zu allem Überfluss oder fast schon erwartbar, habe ich es etwas verspätet den Flughafen JFK erreicht – mein Koffer allerdings nicht.

Warm-up am Mittwoch

Um alle Teilnehmer:innen auf eine wunderbare Konferenz einzustimmen, hatte Indeed bereits am Mittwoch Abend zur Welcome Reception ins Javits Center in Hell’s Kitchen eingeladen. Dort hatten die Teilnehmer:innen nicht nur die Möglichkeit, sich in einer einzigartigen Kulisse kennenzulernen und auszutauschen, sondern auch direkt die Chance über aktuelle Challenges und Lösungsansätze zu diskutieren, wie die eigenen Unternehmen heutigen und zukünftigen Herausforderungen begegnen und welche Strategien, sich dafür eignen. Aus Deutschland waren neben meiner Wenigkeit auch Szenegrößen wie Robindro Ullah, Ute Neher, Tim Verhoeven, Jessica Lingenfelder und viele weitere vertreten.

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

Der eigentliche Konferenztag am Donnerstag hatte es in sich. Auf insgesamt fünf Bühnen sowie weiteren Aktionsflächen wurde den Teilnehmer:innen so viel Content geboten, dass sie gar nicht alles verfolgen konnten. Den Auftakt auf FutureWorks-Bühne machte Indeed-CEO Chris Hyams mit seiner Keynote „The Future of Work is Now!“ mit der klaren Message das Menschliche zurück ins Recruiting zu bringen und Menschen dieselben Chancen zu ermöglichen. Wenn man sich vor Augen führt, dass in den USA 77 Mio. von 329 Mio. Menschen vorbestraft sind, bekommt das Thema Chancengleichheit direkt eine andere Bedeutung.

Ryan Reynolds und die Weisheit des Scheiterns

Eines der absoluten Highlights war natürlich der Auftritt von Schauspieler und Produzent Ryan Reynolds. Was manche vielleicht nicht wussten, ist, dass er ebenso erfolgreicher Unternehmer ist. In seinem Talk mit Jessica Jensen betonte er, dass es für die Zukunft der Arbeit vor allem darum geht, in Menschen zu investieren, neugierig zu sein und zu versuchen sich in die Lage anderer zu versetzen. Denn man kann Probleme mit anderen Menschen nicht angehen, wenn man sie nicht versteht. Leadership bedeutet also vor allem auch nicht immer gewinnen zu müssen.

Schlechte Candidate Experience hat teure Folgen

Auf Ryan Reynolds folgte Maggie Hulce, Executive Vice President and General Manager for Enterprise bei Indeed. Sie sprach über eines meiner Lieblingsthemen: Candidate Experience. Was Maggie präsentierte war eingängig und alarmierend zugleich. 72% aller Jobsuchenden teilen ihre negativen Erfahrungen während eines Bewerbungsprozesses mit anderen. Doch nicht nur, dass sich dadurch automatisch mehr Menschen beeinflussen lassen, sich nicht (mehr) bei diesem Unternehmen zu bewerben, sie kaufen anschließend auch weniger dort ein. Eine schlechte Candidate Experience kann also extrem teuer werden!

Was sie aber noch präsentierte, hat das Potenzial zum Gamechanger zu werden für Arbeitgeber, die nach Kandidat:innen suchen. Indeed wird nämlich zukünftig seine klassische Cost-per-Click (CPC) Methode umstellen, so dass Arbeitgeber nur noch eingegangene Bewerbungen bezahlen und nicht mehr die gesamten Klicks. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber unpassende Bewerbungen innerhalb einer kurzen Zeit sogar „zurückgeben“ dürfen und dafür eine neue passende Bewerbung garantiert. Das dürfte sich unmittelbar auf die Qualität eingehender Bewerbungen auswirken. Man braucht aber glaube ich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich das auch aufs Pricing niederschlagen wird. Unter dem Strich scheint dies aber ein fairer Deal für beide Seiten zu sein. Kostensensitive Arbeitgeber wird es auf jeden Fall zu schnellerem Handeln veranlassen, um unpassende Bewerbungen zeitnah eintauschen zu können. Ich bin schon gespannt, wie dieses Modell bei der Größenordnung von Indeed auf dem deutschen Markt ankommen wird.

Natürlich gab es noch so viel mehr zu sehen, als die bisher erwähnten Highlights.

Alle Panels hier aufzulisten, würde allerdings den Rahmen sprengen. Glücklicherweise wurde das allermeiste aufgezeichnet und wird den Besucher:innen so noch im Nachhinein auf einer virtuellen Plattform zur Verfügung stehen. Mehr Insights zur Veranstaltung findet ihr aber entweder bei LinkedIn unter dem Hashtag #IndeedFutureWorks oder auf der Eventseite.

Talent is universal. Opportunity is not.

Inhaltlich hat sich die Message „Talent is universal. Opportunity is not.“ wie ein roter Faden durch die gesamte Konferenz gezogen. Für das Recruiting in der Zukunft liegt der Fokus also vor allem darauf, Menschen wegen ihrer Skills und Kompetenzen einzustellen und weniger wegen ihrer bisherigen Lebensläufe. Nebenbei sei bemerkt, dass ohnehin nirgends mehr gelogen wird als im Lebenslauf. 🧐

Und sorry für alle Liebhaber:innen von HR-Kalendersprüchen à la „Train for skills, hire for attitude“, aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir ohnehin immer erst auf Kompetenzen schauen sollten, bevor wir uns über den Cultural Fit Gedanken machen können. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass wir als Gesellschaft dafür sorgen müssen, dass alle dieselben oder zumindest vergleichbare Möglichkeiten bzw. eine faire Chance erhalten, diese Skills lernen zu können und zu dürfen. Um das zu erreichen, müssen wir allerdings Vorurteile und Barrieren abbauen und eine inklusive Arbeitsplatzkultur schaffen.

Ernstgenommene Inklusion

Ich war in den letzten Jahren bereits auf sehr vielen HR-Events aller möglichen Größenordnungen. Was ich allerdings das erste Mal gesehen habe und was mich zudem sehr positiv überrascht hat, ist, dass das gesamte Programm der Hauptbühne live in Gebärdensprache übersetzt wurde, so dass auch Menschen ohne Hörvermögen an der Konferenz teilhaben konnten.

Neben diesem Punkt konnte man aber eben auch an vielen weiteren Elementen, wie der Auswahl der Speaker:innen, der Vorstellung der Staffel 2 von Rising Voices oder aber an den durchgangen Zugangsmöglichkeiten für gehbehinderte Menschen, wahrnehmen, dass Indeed das Thema Diversity & Inclusion als Veranstalter sehr ernst nimmt.

Skurriles „Forward-Looking Statement“

Aus deutscher Perspektive etwas skurril ist das sogenannte „Forward-Looking Statement“. Der Präsentierende muss darauf hinweisen, dass er oder sie zukunftsorientierte Aussagen tätigt, die bestimmte Annahmen beinhalten, diese aber im Zweifel nicht eintreffen. Man sollte meinen, dass dieser Zusammenhang selbstverständlich ist, aber vermutlich sieht die legale Situation in den USA so aus, dass ich den Speaker bei Nicht-Eintreffen einer Aussage sonst verklagen könnte.

Fazit

Für jede:n, der sowohl einen Blick über den Tellerrand als auch über den großen Teich wagen möchte, ist die Indeed FutureWorks eine wunderbare Veranstaltung mit ausreichend Möglichkeiten neues Wissen aufzusaugen und neue, spannende Netzwerkkontakte mitzunehmen. Danke an Indeed für ein rundum gelungenes Event und dass ich dabei sein konnte. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

P.S.: Schöne Grüße an Tim Verhoeven! Ich hoffe, dein Koffer wurde mittlerweile aufgefunden und nachgeliefert. 😉

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