Malte Bürger und Jan Herold Müller sind mir erstmals im Zuge der Recherche meines Buchs „Future Talents“ aufgefallen, da sie mit einer Initiative zur Förderung der Berufsorientierung von Schüler:innen in Fulda als Startup den Hessischen Gründerpreis 2018 gewonnen haben. Seitdem hat sich allerdings sehr viel getan. Nicht nur für die beiden, sondern für eine ganze Generation, deren Berufsorientierung durch die Pandemie auf den Kopf gestellt wurde. Das hat dem Erfolg des jungen Unternehmens allerdings keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Im letzten Jahr waren sie bereits für den HR Excellence Award als Startup des Jahres nominiert und kürzlich haben sie sogar den QUEB HR Innovation Award gewonnen. Grund genug also, um mit ihnen über ihr(e) Produkt(e), ihr Startup und ihre Entwicklung zu sprechen.

Hallo, Malte und Jan! Schön, dass ihr die Zeit für dieses Interview gefunden habt. Stellt euch doch kurz den Lesern vor und sagt uns, was ihr beruflich so macht.

Hallo! Wir sind Malte und Jan, 24 und 22 Jahre alt und gemeinsam mit Hendrik die drei Gründer der stafftastic GmbH. Bei vielen sind wir jedoch noch unter unserem alten Firmennamen Praktikumsjahr bekannt, welches wir 2018 neben Schule und Studium aufgebaut haben. In den letzten Jahren sind wir stark gewachsen und haben neben dem Praktikumsjahr zwei weitere Plattformen entwickelt. Den Ausbildungsradar und die Praktikumswoche. Mit unseren Plattformen möchten wir Schüler:innen und Unternehmen zusammenbringen und dabei unterstützen, die passenden Azubis zu finden.

Ihr habt mit der Praktikumswoche, dem Praktikumsjahr und dem Ausbildungsradar gleich drei Plattformen am Start. Wer sind eure Zielgruppen und worin unterscheiden sich die drei Plattformen?

Wie bereits erwähnt, möchten wir mit unseren Plattformen sowohl Schüler:innen, als auch Unternehmen erreichen. Vor allem das Praktikumsjahr und die Praktikumswoche sollen Schüler:innen bzw. Absolvent:innen bei der praktischen Berufsorientierung unterstützen. Die Unternehmen profitieren, indem sie jungen Menschen Berufseinblicke ermöglichen und somit ihr Azubi-Recruiting stärken können. Im Laufe der Jahre konnten wir immer mehr Unternehmen in das Portfolio des Praktikumsjahres aufnehmen und sind stolz, dass bereits einige Ausbildungsverhältnisse daraus entstanden sind.

Die Praktikumswoche wiederum möchte Schüler:innen bereits vor dem Schulabschluss dazu animieren, Einblicke in den Berufsalltag zu bekommen und es Unternehmen ermöglichen, in kurzer Zeit möglichst vielen Schüler:innen, das eigene Umfeld vorzustellen. 
Die Aktion, welche diese Sommerferien bereits in 95 Landkreisen deutschlandweit stattfindet, steht dabei ganz unter dem Motto: “5 Tagen, 5 Berufe, 5 Unternehmen”, so können Schüler:innen idealerweise in einer Woche jeden Tag ein anderes Berufsfeld kennenlernen und so eigene Stärken und Schwächen entdecken, welche die Berufswahl erleichtern können. Die Unternehmen können bereits sehr früh ansetzen, um die Talente von morgen für sich zu begeistern.

Der Ausbildungsradar hingegen ist spezifisch für Unternehmen entwickelt worden und soll allen voran kleinen Unternehmen von Nutzen sein, die unter den enorm fallenden Azubi-Bewerbungen der letzten Jahre leiden. Unternehmen im Ausbildungsradar können sich gegenseitig potenzielle Azubis weiterempfehlen und somit Enttäuschungen aufgrund von Absagen bei Bewerber:innen vermeiden. So können Azubis, die zwar überzeugen, jedoch trotzdem keinen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen ergattern konnten, denselben Beruf in einem anderen Betrieb erlernen, welcher ohne die Empfehlung vielleicht gar keinen Azubi gefunden hätte.

Euer Fokus liegt also weniger auf Studierende, sondern viel mehr auf Schülerinnen und Schülern, die vorhaben eine Ausbildung zu beginnen, sich aber noch in der Berufsorientierung befinden. Was ist das besondere an dieser Zielgruppe? Ist sie überhaupt noch offen für die duale Ausbildung?

Das Besondere an dieser Zielgruppe ist, dass sie noch besonders jung ist und größtenteils sehr offen für neuen Input. Die wenigsten Schüler:innen wissen in der 8. Klasse, wenn meistens die ersten Praktika gemacht werden, was sie später mal beruflich machen wollen. Auch unter den Absolvent:innen ist die Quote der Ahnungslosen hoch, weshalb oft “einfach mal so” ein Studium begonnen wird. So gab es in den letzten Jahren weitaus mehr Erstsemester, als Auszubildende im ersten Lehrjahr. Das liegt an der Generation Z, die generell keine Lust mehr auf eine duale Ausbildung hat, sondern vielmehr daran, dass es in den letzten Jahren nicht genug attraktive Angebote gab, die die Berufsorientierung vor allem für Ausbildungsberufe interessant genug gestaltet haben. Wir denken, wenn man Schüler:innen mehr nachhaltige Angebote ermöglicht, die einerseits kostenlos und andererseits auf die individuellen Interessen abgestimmt sind, dass dadurch viele junge Menschen schneller entdecken, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Welche der drei Plattformen ist euer Lieblingsprodukt und warum?

Die Frage ist, wie Eltern zu fragen, was das Lieblingskind ist. Alle unsere Projekte sind Herzensprojekte, hinter denen wir zu 100% stehen. Ansonsten hätten wir nicht so viel Zeit und Arbeit hineingesteckt. Deshalb ist es schwierig zu sagen, welches jetzt genau unser absolutes Lieblingsprodukt ist. Wir sind stolz darauf, dass die Praktikumswoche bundesweit so eine gute Resonanz bekommt und sich für die Sommerferien 2022 bereits über 5.000 Unternehmen registriert haben. Gleichzeitig können wir aber auch mit dem Praktikumsjahr und dem Ausbildungsradar stetige Erfolge feiern. Insgesamt nutzen bereits über 6.000 Unternehmen unsere drei Plattformen.

Welchen Benefit haben Unternehmen, wenn sie mit euch zusammenarbeiten und wie sieht so eine Zusammenarbeit konkret aus?

Für die Unternehmen ist der große Mehrwert auf allen drei Plattformen gleich. Wir bieten den besten Zugang zu interessierten und passenden Talenten. Da hört es aber natürlich nicht auf, wir versuchen viele Dinge für die Unternehmen automatisiert zu übernehmen und so mehr Zeit für die wirkliche Praxiszeit mit den Talenten im Unternehmen zu lassen. Zum Beispiel werden automatisch alle wichtigen Informationen an die Praktikant:innen geschickt, sobald das Praktikum bestätigt wurde. Darin sind dann alle Informationen zum Ablauf und den Ansprechpersonen enthalten, die man braucht.

Auf welche Zusammenarbeit bisher seid ihr besonders stolz?

Wir sind stolz darauf, seit ein paar Jahren eng mit dem Arbeitgeberverband HessenChemie zusammenarbeiten zu dürfen. Daraus ist 2020 der Ausbildungsradar als gemeinsames Projekt entstanden, weshalb neben der Projektpartnerschaft auch Freundschaften entstanden sind. Aber auch die Unternehmen, die seit Anfang an dabei sind und uns bereits sehr früh unterstützt haben, sind immer noch dabei und nehmen auch immer noch Praktikant:innen über uns auf.

Ihr habt mit der Praktikumswoche und dem Praktikumsjahr weit über 6.000 Praktika vermittelt. Welches Feedback habt ihr denn bisher von der jungen Zielgruppe erhalten?

Sehr positives. Vor allem das Feedback der Praktikumswoche in 2021 zeigt, dass 99 % der Teilnehmer:innen die Praktikumswoche an Freund:innen weiterempfehlen würden. Viele Schüler:innen konnten durch den entstandenen Kontakt zu den Unternehmen außerdem weitere Praktika vereinbaren, oder sogar einen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Auch der Zuspruch für das Praktikumsjahr ist groß und wir bekommen immer wieder Nachrichten von Praktikant:innen, die während des Jahres ihren Traumberuf gefunden haben. Auf unserer Website sind ein paar Erfahrungsberichte von Unternehmen und Schüler:innen zu finden.

Wie hat sich aus eurer Perspektive der Markt für junge Talente in Bezug auf Corona verändert? Welchen Einfluss hat die Pandemie insgesamt auf Angebote zur Berufsorientierung?

Die Coronapandemie hat die praktische Berufsorientierung im März 2020 zum kompletten Stillstand gebracht. Neben Berufsmessen und Aktionstagen sind auch die für die Berufsorientierung wichtigen Praktika ausgefallen. Damit nach monatelangen Lockdowns kein langfristiges Defizit für die Schüler:innen entsteht, ist es wichtig, wieder verstärkt praktische Berufsorientierung zu ermöglichen. Wir sind mit der Praktikumswoche 2020 nur in der Region Fulda gestartet und konnten die Aktion nach diesem “Testlauf” in 2021 auf elf Regionen erweitern. In diesem Jahr sind bereits über 95 Landkreise am Start. Man sieht also, dass das Thema absolut relevant für Unternehmen und Schüler:innen ist. Über 5.000 Unternehmen nutzen die Praktikumswoche mittlerweile. 

Welchen Stellenwert hat das Praktikum in Deutschland aus eurer Perspektive momentan denn in Unternehmen unabhängig von Corona? Erlebt ihr in eurer täglichen Arbeit, dass Unternehmen verstanden haben, dass Personalgewinnung bereits sehr frühzeitig beginnt?

Praktika sind essenziell für eine erfolgreiche Berufsorientierung. Nur durch direkte und praktische Einblicke in Unternehmen können sich Schüler:innen ein Bild vom realen Berufsalltag machen. Dass das von vielen Unternehmen bereits verstanden wurde, äußert sich für uns vor allem in dem hohen Interesse an der Praktikumswoche. Die Unternehmen scheinen verstanden zu haben, dass das Bild von klassischen Schulpraktikant:innen aufgebrochen muss und man für den Nachwuchs im Betrieb auch neue Wege gehen muss.

Welche Pläne habt ihr für stafftastic und den einzelnen Plattformen in naher und ferner Zukunft? Worauf können sich interessierte Unternehmen freuen?

Wir sind ein noch junges Unternehmen, was in den letzten Jahren schon stark gewachsen ist. Natürlich möchten wir weiterhin alle unsere bisherigen Plattformen ausbauen und besser machen, um Berufsorientierung und Azubi-Recruiting noch interessanter und einfacher zu gestalten. Wir haben weiterhin viele Ideen, auch für neue Projekte, die in Planung sind und darauf warten, verwirklicht zu werden.

Ihr Lieben, vielen Dank für die spannenden Einblicke. Ich hoffe, wir werden auch in Zukunft noch viel von euch und stafftastic hören!

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