Nachhaltigkeit betrifft uns heute mittlerweile in nahezu allen privaten Lebensbereichen, wie z.B. bei Nahrung, Kleidung oder Reisen. Auch im beruflichen Kontext spielt Nachhaltigkeit und die Suche nach einem sinnvollem Job eine immer größere Rolle. Einer, der darauf eine Antwort geben möchte, ist Paul Berg. Paul und ich haben uns bereits vor vielen Jahren in Berlin kennengelernt. Heute haben wir es endlich mal wieder geschafft gemeinsam zu schnacken. Was dabei heraus gekommen ist, lest ihr hier. 👇

Hallo, Paul! Schön, dass du die Zeit für dieses Interview gefunden hast. Stelle dich doch kurz den Lesern vor und sag uns, was du beruflich so machst.

Hi! Mein Name ist Paul Berg und hauptamtlich bin ich einer von zwei Mitgründern und Geschäftsführern von GoodJobs – die größte Plattform für nachhaltige Jobs mit Sinn. Daneben schnacke ich in unserem Podcast „Geil Montag“ mit nachhaltigen Sozialunternehmer*innen und unterstütze unsere Schwesterfirmen GoodBuy, Good News und das enorm Magazin.

Zu Beginn der Corona-Pandemie habt ihr die Aktion „Held*innen gesucht“ gestartet. Was hat es damit genau auf sich und wie erfolgreich läuft diese Aktion?

Mittlerweile haben wir diese Aktion sogar beendet, weil der erste große Ansturm auf „Krisenjobs“ sowohl angebots- als auch nachfrageseitig bewältigt wurde. In kürzester Zeit haben wir im März eine Plattform bereitgestellt, auf der Organisationen kurzfristig Helfer*innen in der Krise finden konnten – kostenlos natürlich. Das waren dann Jobs wie Erntehelfer*innen oder Aushilfen in Supermärkten oder sozialen Dienststätten. Insgesamt haben diese Plattform über 100.000 Menschen innerhalb von zwei Monaten genutzt.

Ab wann macht eine Arbeit oder ein Arbeitsplatz für dich Sinn?

Paul Berg, GoodJobs

Sobald sie die Welt ein Stück besser und nicht schlechter macht. Und das sind nicht nur die explizit nachhaltigen oder sozialen Jobs auf unserer Plattform. Ich glaube, dass viele andere „herkömmliche Jobs“ auch sinnvoll sind. Ohne Ingenieur*innen, die Brücken bauen, könnten die meisten NGOs keine Hilfsgüter von A nach B bringen. Ohne Bürokratie oder eine funktionierende Telekommunikationsstruktur, könnten die meisten Sozialunternehmen inklusive GoodJobs, ihre Arbeit nicht machen. Wir glauben nur, dass die nachhaltigen und sozialen Jobs mit Sinn es verdient haben, besonders hervorgehoben zu werden. Weil wir sie so dringend wie niemals zuvor brauchen. Das wollen wir mit GoodJobs möglich machen.

Hand auf’s Herz: Wie äußert sich Nachhaltigkeit in deinem privaten Alltag?

Ich esse kein Fleisch, beziehe Öko-Strom und achte auch bei anderen Services und Kaufentscheidungen stark auf soziale und ökologische Faktoren. Ich kaufe aber noch zu viel Plastik und andere Verpackungen – da bin ich noch etwas faul. Und nur ca zehn Prozent meines Kleiderschranks ist Second-Hand oder nachhaltig – das muss sich auch ändern. Außerdem spielt die Arbeit bei GoodJobs natürlich auch privat eine große Rolle bei mir. Ich glaube es ist wichtig, dass man privat immer wieder über Nachhaltigkeit diskutiert. Das gehört aktuell quasi zur Bürgerpflicht, wie für einen politischen Menschen die Diskussion zur Bundestagswahl.

Und welche Nachhaltigkeitsthemen stehen auf eurer Plattform euch im Fokus?

Im Fokus stehen alle Schnittpunktthemen von Arbeit und den siebzehn Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, wie z.B. die Bekämpfung der globalen Armut, Klimaschutz oder eine faire Wirtschaft.

Viele Unternehmen tunken ihr Logo in Regenbogenfarbe für die LGBTQ-Community oder setzen ihr Logo auf schwarzem Hintergrund, um ihre Verbundenheit öffentlich zu zeigen. Ist das echte Anteilnahme oder Opportunismus der Marketingabteilung? Wie bewertest du das?

Haben wir auch gemacht. Und wenn eine Organisation im Alltag täglich für die gleichen Werte konsequent einsteht und auf die eigene Umsetzung achtet, dann finde ich das ein authentisches und konstruktives Zeichen der Verbundenheit und des Nicht-Zufriedengebens mit dem Status Quo.

Kann denn jedes Unternehmen bei euch seinen Content platzieren oder habt ihr ganz klare Kriterien?

Jobanzeigen und Einträge in unserem GoodCompany-Verzeichnis können nur Organisationen nutzen, die an mindestens einer der oben genannten Probleme arbeiten. Unsere GoodJobs-Kriterien für Nachhaltigkeit geben das klar vor. Dort haben wir zum Beispiel eine Blacklist mit Unternehmensfaktoren und Branchen, die wir nicht auf unsere Plattform lassen: Darunter zählen zum Beispiel Waffen, Drogen oder fossile Brennstoffe. Sozialunternehmen alleine werden die Welt allerdings nicht retten können. Deshalb sind wir durchaus bereit in den Dialog zu gehen mit Firmen, die noch nicht vollständig nachhaltig sind, aber authentisch zeigen können, dass sie ihre großen Hebel in die richtige Richtung bewegen wollen. Wir würden beispielsweise den Job „CSR-Manager*in“ eines großen Autokonzerns bei uns veröffentlichen, da diese Stelle wichtig ist, um das Thema Nachhaltigkeit von innen heraus zu pushen.

Ihr setzt also eher auf Qualität statt Quantität. Das finde ich sehr gut. Doch nachhaltige Jobbörsen gibt es natürlich viele. Worin unterscheidet sich GoodJobs zu anderen Anbietern?

Ich finde nicht, dass es viele nachhaltige Jobbörsen gibt. Auf jeden Fall zu wenig. Bei GoodJobs jedenfalls bekommen wir es besonders gut hin, eine große Zahl von Menschen für nachhaltige Jobs zu begeistern und gleichzeitig eine große Zahl an nachhaltigen Jobs anzubieten. Das liegt bestimmt auch daran, dass wir von vielen Leuten nicht nur als Jobbörse, sondern eben auch als inhaltliche Akteurin zum Thema Nachhaltigkeit und Arbeit wahrgenommen werden. Welche andere Jobbörse hat Social Media Kanäle mit über 100.000 aktiven Follower*innen? Da fallen mir nicht so viele ein. Eben weil die meisten gar keinen inhaltlichen Auftrag haben, sondern schlichtweg digitale Telefonbücher für Jobs sind.

Da stimme ich dir zu. Funktioniert GoodJobs denn nur in Ballungszentren wie Berlin, Hamburg oder Köln? Oder kommen eure Leserinnen und Leser aus dem gesamten Bundesgebiet?

Nachhaltige Jobs gibt es zum Glück überall! 😃 Und teilweise merken wir sogar, dass die Nachfrage nach sinnvoller Arbeit auf dem Land sogar etwas höher ist als in der Stadt. Das fällt bloß eben nicht so krass auf.

Welche Pläne habt ihr für die Plattform GoodJobs in naher und ferner Zukunft? Worauf können sich interessierte Kandidaten und Unternehmen freuen?

Wir wollen die Geschichte und die Geschichten von nachhaltiger Arbeit noch viel bildlicher erzählen, um noch mehr Leuten zu zeigen, warum ein Job mit Sinn so viel erfüllender ist als ein monotoner Bullshitjob samt Firmenwagen. Wir wollen zeigen, dass es mittlerweile für jeden herkömmlichen Job auch einen Job auf der guten Seite der Macht gibt. Egal ob Banker*in, ITler*in oder Handwerker*in.

Lieber Paul, vielen Dank für das spannende und aufschlussreiche Interview. Ich hoffe, wir werden auch in Zukunft noch viel von dir und eurer Plattform hören!

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