Auf ein Wort: Persoblogger Stefan Scheller kritisch hinterfragt

Er ist schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Stefan Scheller ist vor allem dafür bekannt, Dinge rund um HR in seinem Blog Persoblogger.de kritisch(er) zu betrachten. Anfang des Jahres hat er mit dem HR-Studien Download Portal ein neues Projekt ins Leben gerufen. Grund genug einen Blick hinter die Fassade zu wagen. Heute wollen wir den Spieß umdrehen und den sonst so kritischen Geist selbst kritisch hinterfragen. Mal schauen, ob er ins Schwitzen gerät. (Bitte beachtet, dass alle Fragen mit einem Augenzwinkern zu verstehen sind. 😉)

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Stefan, du bist bekannt dafür in deinem Blog Persoblogger.de hinter die Fassade zu schauen und kritisches Feedback offen auszusprechen. Wie sieht es aber mit deiner eigenen Kritikfähigkeit aus? Gilt bei dir das Credo „Wer austeilt, muss auch einstecken können“?

Das hoffe ich doch. Ich persönlich finde es schlimm, wenn Leute austeilen, aber nichts einstecken oder auch mal über sich selbst lachen können. Echte Kritikfähigkeit ist allerdings – subjektiv gefühlt- insgesamt eher eine immer seltenere Eigenschaft.

Was motiviert dich daran kritisch zu bloggen? Geht es dir nur darum dein eigenes Personal Branding zu forcieren und dein Profil zu schärfen? Außerdem macht dich deine kritische Art doch für andere angreifbar, oder nicht?

Themen kritisch zu hinterfragen war schon immer mein Ding. Nur muss man persönlich erstmal ein gewisses Standing bekommen. In jugendlichen Jahren war mir eher wichtig, von allen gemocht zu werden. Das hat sich deutlich verändert.

Nachdem ich für den DATEV-Karriereblog schon länger Beiträge verfasst hatte, startete ich aus einer Laune heraus im April 2013 Persoblogger.de. Mit einer Art „Sendungsbewusstsein“ nutzte ich damit die Möglichkeiten des Web 2.0, um meine Meinung kund zu tun. Sehr schnell kam dieser Stil in der HR-Szene gut an und wurde eine Art Markenzeichen. Jetzt kommt auf einmal der Begriff Personal Branding um die Ecke. Der trifft es sogar ganz gut. Dabei befruchten sich meine Erkenntnisse aus meiner beruflichen Verantwortung bei meinem Arbeitgeber, der DATEV eG, mit meinen Erfahrungen als Blogger auf Persoblogger.de

Was das Thema „Angreifbarkeit“ angeht, so habe ich tatsächlich bereits einige Anekdoten auf Lager, die deutlich die Risiken aufzeigen, die mit der Rolle HR-Influencer Blogger einhergehen. Es gab Tage, da ging mir der berühmte A… ganz schön auf Grundeis. Aber das gehört wahrscheinlich dazu.

Gibst du eigentlich alle Kommentare zu deinen Artikeln im Blog frei – auch wenn sie dir nicht so recht passen?

Bisher habe ich jeden Kommentar, der nicht Spam oder rechtswidrig war, innerhalb weniger Minuten freigeschaltet. Kontroverse belebt in diesem Fall. Mehr Kommentare und Interaktivität gehen zudem oft mit mehr Reichweite einher.

Du hast im Januar das HR-Studien Download Portal gestartet. Ist das ein Versuch dein Portemonnaie zu füllen oder das Bestreben eine zentrale Sammlung aktueller Studien und Artverwandtes in HR aufzubauen?

Natürlich will ich reich und berühmt werden wie die jungen YouTube-Stars, logisch!

Ernst beiseite: Ich habe die Idee des Portals bereits seit über zwei Jahren mit mir herumgetragen. Aus meiner beruflichen Praxis heraus poppen bei mir via Social Media Newsfeeds und Newsletter täglich zweistellig Contents über den Bildschirm. Manche hatte ich mir heruntergeladen, nur um sie bei einer geplanten Verwendung dann doch nicht mehr auf einer Festplatte oder im Online-Speicher zu finden. Das war der Hauptgrund, um die Plattform online zu erstellen. Denn sicher geht es Vielen auch so.

Ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell steckt hinter dem Portal noch nicht, wenngleich ich mir natürlich dazu bereits meine Gedanken gemacht habe. Da schlägt etwas das Henne-Ei-Thema zu: Erst muss das Portal anlaufen, dann lässt sich etwas monetarisieren. Meinen Blog habe ich ja auch fünf Jahre komplett ohne Monetarisierung aufgebaut. Das ist der Invest, den man aber wahrscheinlich nur erbringt, wenn auch Herzblut dabei ist. Und Herzblut ist auch eines der Markenzeichen von Persoblogger.de, da ich ja vor allem einen Meinungsblog schreibe.

Wer ist die Zielgruppe des HR-Studien Download Portals? HR-Profis und angehende Personaler? Oder werbetreibende Anbieter von Studien?

Die Hauptzielgruppe meines Blogs sind weiterhin Personalentscheider, HR-Praktiker sowie HR-Dienstleister, die auf dem Laufenden bleiben wollen. Das Portal bietet jedoch auch angehenden Personalern eine Möglichkeit, ihre Recherche für die Seminararbeit, Bachelor- oder Masterarbeit auf meiner Seite zu starten. Die Anbieter der Contents sind zwar maximal die Zielgruppe hinter der Zielgruppe, aber ohne sie geht es natürlich auch nicht.

Welche Daten gebe ich als User beim Download preis? Besteht ein Registrierungszwang und muss ich deinen Newsletter abonnieren, um auf die Studien zugreifen zu können?

Hier war mir extrem wichtig, dass die Nutzung so einfach wie möglich gestaltet werden soll. Insofern verzichte ich bewusst auf jede Art der Registrierung oder zusätzliches Tracking. Selbstverständlich kann man aber via Twitter oder Facebook dem Portal folgen.

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Was ist der Mehrwert des HR-Studien Download Portals? Ist es nicht nur eine Linksammlung, um den SEO-Wert deines Blogs zu steigern?

Eine Linksammlung wäre mir zu wenig. Denn dann müssten die User die Inhalte ja doch mit vielen zusätzlichen Klicks von unterschiedlichen Anbieter-Seiten zusammensuchen. Mit dem HR-Studien Download Portal baue und erweitere ich stattdessen eine Plattform, auf der Inhalte wie Infografiken oder Studien unmittelbar heruntergeladen werden können.

Kannst du garantieren, dass sich die Qualität der einzelnen Studien auf einem adäquaten Niveau bewegt? Geht es dir darum so viele Studien und Infografiken wie möglich anzubieten oder schaust du sie dir vorher auch genau an?

Zur ersten Frage: Ehrlich gesagt: nein. Dazu müsste man mit wissenschaftlichen Methoden und Experten-Know-How die Wissenschaftlichkeit und Korrektheit der jeweiligen Inhalte systematisch prüfen und bewerten. Das wäre nahezu unmöglich. Auch bedeutet die Aufnahme einer Studie auf meinem Portal nicht, dass ich diese inhaltlich stütze.

Zur Zweiten Frage: ja, natürlich. Meine Auswahl der Inhalte beruht in erster Linie auf meiner subjektiven Einschätzung, wie nützlich der Download für die Leser sein könnte. Überwiegend vertrieblich aufbereitete Inhalte lehne ich ab. – Wobei man fairerweise sagen muss, nahezu jede Infografik, ebenso wie jede Studie, immer auch einen vom Autor gewünschten Zweck erfüllt. Anders als im redaktionellen Teil meines Blogs bewerte ich das aber nicht. Die Nutzer müssen die Verwendbarkeit – letztlich wie bei allen Inhalten im Internet – eigenverantwortlich einschätzen bezogen ihren eigenen subjektiven Einsatzzweck.

Wie bewertest du den Start des Portals nach bisher drei Monaten? Ein Erfolg auf ganzer Linie oder ist es nur ein Strohfeuer, dessen Flamme schnell wieder verpufft?

Weder noch. Da ich das Portal ja in meiner Rolle als Blogger in meiner Freizeit aufbaue, ist mir gar nicht an einer Inhaltsexplosion gelegen. Immerhin müssen ja mit jedem einzelnen Anbieter Vereinbarungen geschlossen werden über die Nutzung deren Inhalte.

Ich würde das Portal gerne nach und nach, zusammen mit den Nutzern, aufbauen, bewerten, verändern und wachsen lassen. Natürlich ist eine Langfristigkeit von mir gewollt, im Vordergrund steht aber erstmal die Frage nach dem Nutzen. Kann es diesen stiften, bleibe ich weiter intensiv dran. Falls nicht, war es eben ein Projekt.

Insgesamt bin ich mit der Entwicklung schon sehr zufrieden, vor allem wenn man bedenkt, dass mir zu Vermarktung nur eigene Bordmittel und keine großen finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Da bin ich dankbar über jeden Support.

Welches Ziel verfolgst du langfristig mit dem Portal und wie geht es in Zukunft weiter?

Am liebsten wäre es mir, wenn sich das Portal tatsächlich als DIE Anlaufstelle für die Recherche nach aktuellen Statistiken, Infografiken und Studien etabliert. In Zusammenarbeit mit Content-Anbietern lassen sich dann bestimmt weitere Potentiale erschließen, die für die Nutzer einen Mehrwert bringen und von denen auch alle anderen Beteiligten einen Vorteil haben. Ich bin für Ideen sehr offen.

Dann drücke ich dir beide Daumen, dass sich deine Pläne realisieren und bedanke mich für die spannenden Einblicke und dass du dich den Fragen gestellt hast! 😃

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